Konflikt und Konflikteskalation
Konfliktgegenstände und Erscheinungsformen des Konflikts

Für die Diagnose eines Konflikts, sind meiner Auffassung nach die Aspekte Konfliktgegenstände, Erscheinungsform des Konfliktes, Positionen und Beziehungen der Parteien, Grundeinstellung der Parteien zum Konflikt und Konfliktverlauf von wesentlicher Bedeutung.

Konfliktgegenstände

Konflikte können Sachfragen zum Gegenstand haben. Beispiele sind Bewertungs-, Beurteilungs- und Verteilungskonflikte.[1] Sie können jedoch auch durch unterschiedliches Fühlen, Denken oder Wollen ausgelöst werden.

Bewertungs-/Zielkonflikte sind dadurch gekennzeichnet, dass die Parteien unterschiedliche Ziele verfolgen. Beim Beurteilungskonflikt werden die gleichen Ziele verfolgt, allerdings die Wege zum Erreichen des Ziels unterschiedlich bewertet. Der Verteilungskonflikt entsteht aufgrund einer Diskrepanz zwischen den vorhandenen/möglichen Ressourcen des Unternehmens und den Ansprüchen der Mitarbeiter. Diese Diskrepanzen können z.B. auf finanzieller, personeller und technischer Ebene bestehen.

Im Laufe einer Konflikteskalation kommen immer mehr Gegenstände eines Konfliktes hinzu. Neben der Sachfrage werden zum Beispiel unterschiedliches Fühlen, Denken oder Wollen zu Gegenständen des Konfliktes. [2] Zudem werden Streitpunkte aus der subjektiven und der objektiven Sphäre miteinander vermischt und verflochten. Oftmals gerät der ursprüngliche Gegenstand des Konfliktes völlig in Vergessenheit.[3]

Erscheinungsformen

Einige Wissenschaftler unterscheiden zwischen manifesten und latenten Konflikten [4]. Manifeste Konflikte sind offenliegende Konflikte mit dem entsprechenden Konfliktverhalten der Beteiligten. Der latente Konflikt wird zwar von mindestens einer Konfliktpartei wahrgenommen und empfunden, aber nicht offen ausgetragen.

Glasl hält diese Unterscheidung für irreführend und meint - und diese Einschätzung teile ich - man müsse in den Fällen, die als latente Konflikte bezeichnet werden, vom Vorhandensein potenzieller Konfliktgegner, also von Konfliktpotenzial sprechen. Gerade dieses schlummernde Konfliktpotenzial birgt die Gefahr von schneller Eskalation der Konflikte.

Glasl unterscheidet die Äußerungsformen des Konfliktes in formgebundene oder formfreie Austragung und das soziale Klima der Interaktion in heiß und kalt [5].

Beim formgebundenen Konflikt bedienen sich die Parteien bestimmter Formen, die sie nicht selbst eigens dazu gefunden haben; vielmehr greifen sie zurück auf Institutionen, Prozeduren und Kampfmittel, die bereits anerkannt sind [6]

Die Formgebundenheit erleichtert in der Regel die Konfliktlösung. Beim formfreien Konflikt greifen die Parteien auf keine vorgegebene Form zurück.

Vor allem bei Systemveränderungs-Konflikten greifen die bislang diskriminierten Personen zu Mitteln, die nicht gesellschaftlich vorbestimmt sind. [7]

Erfahren Sie mehr zum Thema "Konflikt und Konflikteskalation"
[1] Rüttinger/Sauer, Konflikt und Konfliktlösen. Kritische Situationen erkennen und bewältigen, 3. Auflage 2000, Rosenberger Fachverlag, München, S. 103
[2] Glasl, F. Konfliktmanagement, Ein Handbuch für Führungskräfte, Beraterinnen und Berater, 10. Auflage 2011, Haupt
Verlag, Bern-Stuttgart-Wien, S. 213 ff
[3] Glasl, F., a.a.O., S. 207 ff
[4] Glasl, F., a.a.O., S. 56
[5] Glasl, F., a.a.O., S. 74 ff
[6] Glasl, F., a.a.O., S. 74
[7] Glasl, F., a.a.O., S. 75

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Rechtsanwältin Birgitta Becker

Rechtsanwältin Birgitta Becker
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